Vegan für Einsteiger: Sechs Tipps rund um die ersten Wochen

Tofu statt Schnitzel und Sojadrink statt Kuhmilch – für viele Menschen stellt der Umstieg auf vegane Kost eine große Herausforderung dar.
Vegan für Einsteiger: Viel buntes Obst und Gemüse

Insbesondere ein veganer Einkauf kann für Einsteiger so einige Fallen bereithalten: Müsli mit Honig, Gelatine im Saft oder Milcherzeugnisse in den Chips. Darüber hinaus stößt die Entscheidung für eine pflanzliche Ernährung häufig auf Unverständnis oder Spott – Familie und Freunde können die Entscheidung oftmals nicht nachvollziehen. Wie Sie damit umgehen und weitere Tipps für die ersten Wochen vegan finden Sie nachfolgend.

Tipp 1: Vegan Leben ist eine persönliche Entscheidung

Behalten Sie Ihre Entscheidung für die vegane Lebensweise nicht für sich: Informieren Sie Ihr Umfeld über den Lebenswandel, so können peinliche Situationen bei einem Geschäftsessen oder der Familienfeier vermieden werden. Oft ist es hilfreich, Freunden und Verwandten die individuellen Gründe für den Umstieg zu erklären.

Während für den einen Menschen ethische Beweggründe im Vordergrund stehen, möchte der andere mehr auf seine Gesundheit achten oder der Umwelt etwas Gutes tun. Ganz egal, aus welchem Grund die Entscheidung für eine vegane Lebensweise getroffen wurde, Hauptsache man fühlt sich wohl dabei.

Wichtig ist, klären Sie Ihre Mitmenschen über die Entscheidung auf, ohne zu missionieren. Dies stößt in der Regel recht schnell auf Gegenwehr. Seien Sie außerdem darauf gefasst, dass Freunde und Familie anfangs mit Unverständnis reagieren oder spöttische Bemerkungen fallen lassen. Am wichtigsten ist jedoch, sich in seiner Entscheidung nicht verunsichern zu lassen.

Tipp 2: Vegane Einsteiger sollten ihr eigenes Tempo gehen

Fleisch, Fisch, Milch, Eier – alles Tierische verschwindet nun aus Kühlschrank und Vorratskammer. Lassen Sie sich dabei nicht von anderen Veganern unter Druck setzen: Umsteigern, die vorher bereits Vegetarier waren, fällt der Schritt zur veganen Lebensweise oftmals leichter. Mischköstler werden sich vermutlich ein wenig schwerer mit dem Umstieg tun.

Manche Menschen benötigen einen radikalen Schnitt, andere gehen die Sache lieber langsam an und können sich nur schrittweise an die Lebensweise herantasten. Auch ein Rückfall in alte Gewohnheiten ist nicht weiter schlimm – niemand verlangt von Ihnen von heute auf morgen die Ernährung umzustellen. Denn egal, auf welche Weise Sie Ihren Haushalt auf vegan umstellen, für Einsteiger gilt: Gehen Sie Ihren eigenen Weg – in Ihrem Tempo.

Tipp 3: Strenger Veganismus oder Ausnahmen?

Vegan ist für Einsteiger nicht einfach: Eine Fülle an Informationen gilt es durchzusehen, eine Menge zu beachten und ebenso zu entscheiden, wie streng der Veganismus gelebt werden soll. Denn für die vegane Lebensweise gibt es keine allgemeingültige Gebrauchsanweisung. Während sich die einen Veganer beim Hersteller über das Produktionsverfahren informieren (beispielsweise können Fruchtsäfte mit Gelatine geklärt sein), gibt es andere, die im Restaurant auch einmal eine Ausnahme machen und zur Not vegetarisch statt vegan essen.

Wissenswert: Vor allem asiatische und italienische Restaurants bieten für Veganer eine Möglichkeit, Essen zu gehen. Sind Sie sich unsicher, was die Inhaltsstoffe des Gerichtes angeht, fragen Sie ruhig nach. Darüber hinaus gibt es mittlerweile in vielen großen Städten vegetarisch-vegane, manchmal sogar rein vegane Restaurants.

Gerade zu Beginn können die vielen Eindrücke und Informationen überfordern. Veganismus-Einsteiger sollten sich davon jedoch nicht verunsichern lassen. Je nach Lebensumständen und persönlichen Ansichten kann die vegane Lebensweise von der anderer Veganer abweichen – rechtfertigen müssen Sie dies vor niemanden, nur vor sich selbst.

Tipp 4: Selber kochen statt Fertigprodukte

Kein Fleisch und Fisch, keine Milch und Eier – was können Veganer eigentlich essen? Wer diese Frage stellt, dürfte überrascht sein, welche Vielfalt die vegane Küche zu bieten hat: Von heimischen bis exotischen Obst und Gemüse über orientalische Gewürze bis hin zu Getreide und Soja-Produkten – das breite Spektrum an veganen Lebensmitteln sorgt für Abwechslung in der Küche.

Sie fragen sich, welche Lebensmittel in einem veganen Haushalt nicht fehlen dürfen? Unsere Vegan Basics verraten es Ihnen.

Zwar ist es besonders für Veganismus-Einsteiger eine Erleichterung, dass es vegane Fertigprodukte gibt, doch sollten diese nur einen geringen Anteil an der Ernährung nehmen. Denn viele dieser Produkte enthalten chemische Inhaltsstoffe, um dem Produkt Aussehen, Geschmack und Struktur zu verschaffen. Zwar sind Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Konservierungsmittel nicht automatisch gesundheitsschädigend – allerdings sind sie alles andere als natürlich. Zudem enthalten Fertigprodukte oftmals zu viel Salz, Zucker oder Fett.

Wer auf seine Gesundheit achten möchte, sollte lieber selber kochen. So sind Sie auf der sicheren Seite, was den Inhalt der Gerichte anbelangt. Achten Sie beim Zusammenstellen Ihres Speiseplans jedoch darauf, dass alle wichtigen Nährstoffe wie zum Beispiel Eisen, Eiweiß oder Kalzium enthalten sind. Ansonsten gilt: Mit eigenen Ideen experimentieren oder die Fülle an verschiedenen veganen Kochbüchern durchstöbern: italienisch, orientalisch oder vegane Backkreationen? Langeweile kommt hier bestimmt nicht auf.

Tipp 5: Gehen Sie auf vegane Entdeckungstour

Vegan bedeutet für viele Einsteiger ein neues Terrain zu betreten: In erster Linie betrifft dies wohl die Essgewohnheiten. Chia-Samen, Kurkuma oder Kala Namak – mit dem Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung können Sie ganz neue Gewürze und Lebensmittel entdecken. Lernen Sie die Vielfalt der veganen Rezept-Welt kennen: Frikadellen aus Quinoa, Sobanudeln oder Chia-Pudding – seien Sie offen für Neues.

Doch nicht nur die Ernährung bietet Anlass für Entdeckungstouren: Veganismus betrifft ebenfalls den Lifestyle. Für die meisten Veganer sind daher Leder, Wolle, Pelz und Co. tabu. Da der vegane Trend jedoch längst die Mode-Industrie erreicht hat, ist es gar nicht mehr so schwer an Produkte ohne Tier zu gelangen. Bei der Fülle an verschiedenen Angeboten, sind mitunter auch ungewöhnliche Materialien zu finden: Jacken aus Kork, Taschen aus Teesäcken oder Schmuck aus recyceltem Glas.

Extra Tipp: Sie müssen nicht sofort all Ihre Kleidung wegschmeißen oder spenden – ein kompletter Austausch des Kleiderschrankes wäre kostspielig. Ersetzen Sie nach und nach Hosen, Shirts und Co.

Tipp 6: Regelmäßig durchchecken lassen

Der teils noch immer weitläufigen Meinung zum Trotz, dass Veganer mit Mangelerscheinungen zu kämpfen haben: Selbst mit einer rein pflanzlichen Ernährung kann man den Großteil der benötigten Nährstoffe decken. Einzige Ausnahme bleibt Vitamin B12, ein nicht zu verachtendes Vitamin. Es nimmt zum Beispiel Einfluss auf

  • den Energiestoffwechsel,
  • das Nervensystem,
  • die Blutbildung
  • sowie auf das Herz-Kreislauf-System.

Bei nicht ausreichender Zufuhr des Vitamins können Mangelerscheinungen wie Müdigkeit, höhere Infektanfälligkeit oder Stimmungsschwankungen auftreten. Um diesen frühzeitig entgegenzusteuern, ist nicht nur Veganismus-Einsteigern eine regelmäßige Blutuntersuchung anzuraten. Lassen Sie sich daher ein- bis zweimal im Jahr durchchecken, ob Ihr Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist.