Grünkohl – vom Schattendasein zum Superfood

In den USA und Australien ist Grünkohl in den letzten Jahren zum angesagten Superfood aufgestiegen. In Deutschland führt der heimische Kohl hingegen noch ein Schattendasein. Dabei gibt es kaum ein Gemüse, das eine so hohe Nährstoffdichte aufweist wie er.

Die knittrigen Blätter verraten ihn: Grünkohl wartet mit zahlreichen Inhaltsstoffen auf.

Übersicht:

Grünkohl enthält zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe:

Ballaststoffe
Omega-3-Fettsäuren
Vitamin A, C und K
Kalium
Calcium
Eisen
Magnesium
Carotinoide
Antioxidantien

Grünkohl: Diese Inhaltsstoffe machen ihn so gesund

Grünkohl wird häufig als das Rindfleisch der Vegetarier bezeichnet. Denn in den grünen Blättern steckt mehr Eisen als in dem roten Fleisch. Der Körper benötigt das Spurenelement Eisen, um rote Blutkörperchen zu bilden und damit die Sauerstoffversorgung aller Organe sicherzustellen. Eisenmangel führt häufig zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und verminderter Leistungsfähigkeit.

Aber nicht nur bei der Eisenversorgung kann Grünkohl tierische Produkte ersetzen. Der geringe Oxalsäuregehalt erleichtert zudem die Aufnahme von Eisen, Calcium und anderen Inhaltsstoffen aus dem Grünkohl während der Verdauung.

100 Gramm Grünkohl enthalten ungefähr genauso so viel Kalzium wie 200 Milliliter Kuhmilch. Damit liefert er einen wichtigen Beitrag für gesunde Knochen und Zähne.

Zudem findet Grünkohl Anwendung bei der Vorbeugung und Förderung des Heilungsverlaufes von:

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • verschiedenen Krebsarten wie Darm-, Blasen- oder Prostatakrebs
  • Arthritis
  • Arteriosklerose
  • Osteoperose
  • Makuladegeneration

Mit nur 37 Kalorien pro 100 Gramm weist Grünkohl zudem eine enorm hohe Nährstoffeffizienz auf. Da die vielen enthaltenen Ballaststoffe darüber hinaus sehr sättigend wirken, empfiehlt sich der Grünkohl auch für Menschen, die abnehmen wollen.

Entzündungshemmende Inhaltsstoffe Omega 3 und Vitamin K

Der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin K fördert die Wundheilung und wirkt entzündungshemmend. Der regelmäßige Verzehr von Grünkohl kann deshalb das Risiko für die Entstehung entzündungsbedingter Krankheiten wie Arthritis senken.

Wer bereits an Entzündungen leidet, kann mit Grünkohl den Heilungsprozess fördern oder lindert, wie beispielsweise im Fall von Arthritis, zumindest die Schmerzen und kann den Fortschritt der chronischen Gelenkerkrankung verlangsamen.

Carotinoide für gesunde Augen und schöne Haut

Grünkohl ist reich an Betacarotin, das vom Körper in lebenswichtiges Vitamin A umgewandelt wird. Vitamin A unterstützt die Regeneration der Haut und der Schleimhäute. Darüber hinaus enthält Grünkohl auch Lutein und Zeaxanthin, die für die Sehfunktion der Augen benötigt werden. Ein Mangel an diesen beiden Carotinoiden gilt als eine der Hauptursachen für degenerative Augenerkrankungen, wie zum Beispiel die Makuladegeneration. Diese Netzhauterkrankung zählt zu den häufigsten Gründen für ein Erblinden im Alter. Eine Ernährung, die ausreichend Lutein und Zeaxanthin enthält, kann dieser Augenkrankheit effektiv vorbeugen.

Grünkohl hält Kreislauf und Stoffwechsel auf Trab

Studien1 haben gezeigt, dass Grünkohl den guten LDL-Cholesterinspiegel erhöht und den schlechten HDL-Cholesterinspiegel senkt. Ein hoher HDL-Cholesterinwert im Blut führt zu Ablagerungen in den Arterien, der sogenannten Arteriosklerose. Die zunehmende Verstopfung der Blutgefäße stört die Durchblutung und kann einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.

Auch bei einer weiteren großen Volkskrankheit, dem Diabetes, kann Grünkohl sowohl vorbeugend als auch lindernd wirken. Die in den Kohlblättern enthaltene Alpha-Liponsäure unterstützt die Regulierung der Blutzuckerwerte und soll auch Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, die unter Umständen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auftreten, reduzieren.

Antioxidantien machen Grünkohl zur Krebsvorsorge

Auch die Krebsforschung2 hat bereits die positiven Eigenschaften von Grünkohl erkannt. Vitamin A, Vitamin C und andere Antioxidantien binden freie Radikale, die als eine Ursache für die Entstehung von Krebs gelten. Hinzu kommt, dass Glucosinolate (schwefel- und stickstoffhaltige Inhaltsstoffe im Grünkohl) im Verdauungstrakt in sogenannte antikarzinogene (krebshemmende) Isothiocyanate umgewandelt werden, die aktiv gegen Krebszellen vorgehen und damit den Heilungsverlauf unterstützen.

Anbau und Verwendung von Grünkohl

Grünkohl (Brassica oleracea) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Er ist eine Zuchtform des Kohls mit einer sehr langen Tradition in Europa. In Griechenland und Italien wird er bereits seit dem 3. Jahrhundert vor Christus angebaut. In Deutschland kommt er historischen Aufzeichnungen zufolge mindestens seit dem 16. Jahrhundert vor.

Grünkohl ist eine anspruchslose Pflanze, die auf fast allen Böden wächst und deshalb auch im eigenen Garten gut gedeiht. Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze, die im zweiten Jahr Blüten treibt. In der Küche werden allerdings die Jungpflanzen des ersten Jahres verwendet.

Da Grünkohl eine schnellwüchsige Blattkohlart ist, kann sie fast das ganze Jahr über geerntet werden. In Deutschland ist es üblich, die Blätter erst nach dem ersten Frost zu ernten, weil sie dann milder schmecken. Mit den Bitterstoffen gehen dem Grünkohl allerdings auch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Um von den heilenden Eigenschaften des Grünkohls zu profitieren, sollte das Gemüse deshalb vor dem ersten Wintereinbruch verzehrt werden.

Grünkohl richtig zubereiten

Als typisches Wintergemüse wird Grünkohl in Deutschland traditionell mit Schweineschmalz und Speck zubereitet und zu Kassler oder Wurst serviert. In dieser Kombination fördert Grünkohl allerdings kaum die Gesundheit. Um möglichst viele Inhaltsstoffe zu bewahren, sollte Grünkohl am besten roh verzehrt werden, zum Beispiel als Zutat in grünen Smoothies oder als klein gehackter Salat mit einem Dressing aus Olivenöl, Zitrone und Kräutern. Grünkohl kann außerdem gedämpft, gekocht oder blanchiert werden und so viele vegane Gerichte bereichern.


1 http://www.fh-erfurt.de/lgf/fileadmin/GB/Dokumente/Forschung/Bioaktive_Substanzen_im_Gemuese.pdf
2 https://www.uni-oldenburg.de/news/art/studie-gruenkohl-beugt-am-besten-gegen-krebs-vor-2243/