Phosphor in der veganen Ernährung

Mit einem Anteil von über 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zählen wir auch Phosphor zu den sogenannten Mengenelementen. Über die Nahrung nehmen wir es ausschließlich in Form von Phosphat zu uns: In unseren Körper nehmen wir es über den Dünndarm auf und scheiden überflüssiges Phosphat über unsere Nieren wieder aus. Rund 90 Prozent der 700 in unserem Körper befindlichen Gramm Phosphat sind in unseren Knochen gespeichert.

Zuckerschoten enthalten eine große Menge an Phosphor

Die Phosphatkonzentration in unserem Blut wird von Vitamin D und dem von der Nebenschilddrüse produzierten Parathormon fein reguliert: Ein Mangel oder Überschuss eines dieser Hormone kann so erhebliche Auswirkungen auf die Phosphorkonzentration in unserem Körper haben.

Welche Funktionen übernimmt Phosphor in unserem Körper? Wie können wir den Bedarf an Phosphor in der veganen Ernährung decken? Welche Symptome treten bei Phosphatmangel oder -überschuss auf? Erfahren Sie alles über den essentiellen Mineralstoff Phosphor und lesen Sie, warum künstliche Phosphatzusätze in unseren Lebensmitteln negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben können.

Phosphor in der veganen Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von etwa 700 Milligramm Phosphor. Kleinkinder und Kinder bis sieben Jahre haben einen geringeren Bedarf: Je jünger sie sind, desto weniger Phosphor benötigen sie. Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre sowie Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Phosphorbedarf: Ihnen wird eine Zufuhr von bis zu 1250 Milligramm am Tag empfohlen.

Besonders eiweißreiche Lebensmittel  enthalten einen hohen Anteil an Phosphor. Der Phosphorgehalt in einem Lebensmittel ist allerdings nicht mit der tatsächlichen Phosphoraufnahme in unserem Körper gleichzusetzen! Veganer sollten also darauf achten, dass die Verfügbarkeit von Phosphor in der veganen Ernährung in pflanzlichen Lebensmitteln deutlich geringer als in tierischen Produkten.

Enge Zusammenarbeit: Calcium und Phosphor

Zusammen mit Calcium ist Phosphor für den stabilen Bau unserer Knochen und Zähne verantwortlich. Verringert sich etwa die Calciumkonzentration in unserem Blut, werden zunächst die körpereigenen Calciumspeicher unserer Knochen angezapft. In diesem Zuge wird dann auch Phosphat aus unseren Knochen mobilisiert.

Eine hohe Calciumzufuhr über unsere Nahrung kann die Phosphataufnahme übrigens hemmen. Auch die starke Aufnahme der beiden Spurenelemente  Zink und Eisen tut dies. Ein hoher Vitamin-D-Spiegel dagegen unterstützt die Calcium- und Phosphataufnahme in unserem Körper.

Phosphor und seine Funktionen in unserem Körper

Phosphor ist nicht nur ein wichtiger Baustoff unserer Knochen: Als Bestandteil des Kraftstoffes unserer Zellen, den wir Adenosintriphosphat oder kurz ATP nennen, spielt der für uns essentielle Mineralstoff auch bei der Gewinnung, Bereitstellung und Speicherung von Energie eine bedeutende Rolle.

Als Bestandteil der sogenannten Phospholipide ist Phosphor ein wichtiger Baustein aller Zellmembranen. Diese umgeben jede unserer Zellen, trennen ihr Inneres schützend von ihrer Umgebung ab und halten ihr inneres Milieu konstant aufrecht.

Auch spielt Phosphor in der veganen Ernährung und in der tierischen Ernährung bei der Signalübermittlung innerhalb der Zellen eine bedeutende Rolle, ist an der Funktion vieler Enzyme beteiligt und sorgt als Puffer für ein konstantes Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut. Mitverantwortlich ist es auch für die Struktur und die Funktion unserer Erbsubstanzen DNA und RNA.

Phosphatmangel und seine Ursachen

Weil Phosphor Bestandteil nahezu aller unserer Lebensmittel ist, ist ein ernährungsbedingter Mangel an Phosphor in der veganen Ernährung praktisch ausgeschlossen. So decken wir unseren täglichen Bedarf mit ausgewogener veganer Ernährung  in der Regel ausreichend. Meist sind Krankheiten oder die Einnahme bestimmter Medikamente der Grund für eine unzureichende Zufuhr. So kann etwa eine durch Alkoholismus oder andere Ursachen bedingte Nierenfunktionsstörung hinter einem Phosphatmangel stehen. Bereits ab einem Alkoholgehalt von 0,5 Promille im Blut entwässern unsere Nieren und schwemmen Mineralstoffe aus unserem Körper.

Auch eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen kann der Grund für einen Phosphormangel sein. Produzieren diese eine zu große Menge des sogenannten Parathormons PTH, werden Calcium und Phosphat aus unseren Knochen mobilisiert. Weil das Parathormon die Ausscheidung von Calcium über unsere Nieren reduziert, die von Phosphat aber erhöht, steigt unser Calciumspiegel im Blut an, während der von Phosphat sinkt.

Ein hoher Vitamin-D-Spiegel unterstützt die Calcium- und Phosphataufnahme in unserem Körper. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein Vitamin-D-Mangel kann sie reduzieren. Knochenerweichung, im Kindesalter Rachitis genannt, kann die gefährliche Folge sein. Vitamin D wird übrigens zu größten Teilen bei Sonneneinstrahlung in unserer Haut gebildet. Aufgrund der gängigen Vitamin-D-Prophylaxe für Säuglinge und Kleinkinder ist Rachitis heute glücklicherweise ein Ausnahmefall.

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann einen Phosphatmangel zur Folge haben. Sogenannte Antazida, die beispielsweise Sodbrennen durch die Neutralisation der Säure unseres Magensaftes lindern sollen, sind basische Substanzen: Sie können unseren Säure-Basen-Haushalt und dessen Puffer Phosphor aus dem Gleichgewicht bringen.

Phosphorüberschuss und das Risiko künstlicher Phosphatzusätze

Gesunde Menschen scheiden ein Zuviel an Phosphat in der Regel einfach über ihre Nieren wieder aus. Bestimmte Krankheiten sowie ein enormer Verzehr von Lebensmitteln mit künstlichen Phosphatzusätzen können allerdings die Ursache für einen Phosphatüberschuss sein und negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Die Lebensmittelzusatzstoffe mit den E-Nummern 338, 339, 340, 341, 343, 450, 451 und 452 geben uns einen Hinweis auf künstliche Phosphatzusätze in unserer Nahrung. Zugelassen sind sie unter anderem als Antioxidationsmittel, Stabilisatoren, Säureregulatoren, Backtrieb- oder Trennmittel. Deshalb finden wir sie insbesondere in stark verarbeiteten Lebensmitteln, wie Wurstprodukten, Fischkonserven, Backwaren und Erfrischungsgetränken wie Cola oder anderen Softdrinks.

Die Gesamtmenge der zugesetzten Phosphate muss nicht angegeben werden: Der Hinweis auf einen Phosphatzusatz reicht vollkommen aus. In Bio-Produkten sind übrigens ausschließlich Calciumphosphate mit der E-Nummer 341 zugelassen.

Besonders an chronischen Nierenproblemen Erkrankte sollten ihre Phosphatzufuhr genau im Blick behalten. Können unsere Nieren das überschüssige Phosphat nicht oder nicht mehr ausreichend aus unserem Körper ausscheiden, wird die Phosphorkonzentration in unserem Blut steigen: Selbst für gesunde Menschen ein bewiesenes, erhebliches Risiko für unser Herz-Kreislauf-System! Wie die Autoren der Übersichtsarbeit „Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln“ 2012 im Ärzteblatt schreiben, soll eine verstärkte Zufuhr künstlicher Phosphatzusätze verschiedenste Alterungsvorgänge in unserem Körper verursachen: Mögliche Folgen seien Muskel- und Hautatrophien, also ein Schwund des jeweils betroffenen Gewebes, das beschleunigte Fortschreiten chronischer Nierenfunktionsstörungen oder Gefäßverkalkungen.

Auch Verschiebungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes, an dem Phosphat regulierend beteiligt ist, können einen Phosphorüberschuss in unserem Körper zur Folge haben. Ein anderer Grund kann in der Unterfunktion unserer Nebenschilddrüsen liegen. Das von ihnen produzierte Parathormon begünstigt den Abbau von Calcium und Phosphor aus unseren Knochen sowie die Ausscheidung des Phosphors über unsere Nieren, während es die von Calcium hemmt. Produzieren unsere Nebenschilddrüsen in Folge einer Unterfunktion eine zu geringe Menge dieses Parathormons, sind Calciummangel und Phosphatüberschuss die Folge.