Dicksaft, Sirup, Stevia: veganer Honig als Ersatzprodukt

Werden Bienen für die Honigproduktion ausgebeutet? Kann man in der Imkerei von Massen- oder Intensivtierhaltung sprechen? Ist die Honigherstellung uneingeschränkt profitorientiert und lässt das Wohl der Tiere außer Acht? In der Diskussion über kein anderes Produkt scheiden sich die Ernährungsgeister so stark wie in der über Honig und dessen Herstellung.

Veganer Honig als Ersatzprodukt

Fest steht: In der veganen Ernährungs- und Lebensweise, die einen tierversuchs- und tierproduktfreien Idealzustand anstrebt, ist der Konsum von Honig ausgeschlossen. Ob Agavendicksaft, Zuckerrübensirup oder Stevia: Veganern bietet sich eine breite Palette an veganem Honig als pflanzliche Alternativprodukte, die sich bestens als Brotaufstrich, zum Backen oder Verfeinern von Süßspeisen eignen. Einige davon lassen sich zuhause sogar selbst herstellen!

Der vegane Honig-Klassiker zum Süßen: Zucker

Wird Honig beim Backen oder Kochen zum Süßen verwendet, ist Zucker die wohl einfachste Alternative. In unseren Breitengraden wird er heute gewöhnlich aus der Zuckerrübe gewonnen. Je nach Verarbeitungsgrad und Herstellungsverfahren unterscheiden wir zum Beispiel in bräunlich gefärbten Rohzucker oder weißen Kristallzucker, der uns als Haushaltszucker bekannt ist.

Zu den Exoten unter den Zuckersorten zählen etwa Palmzucker, der aus den sogenannten Atta- oder den Zuckerpalmen gewonnen wird, oder Kokoszucker aus der Kokospalme. Echte alternativen beim veganen Zucker.

Zucker ganz natürlich: Dicksäfte

Wer auf die honigähnliche Konsistenz nicht verzichten will, der findet in Dicksäften und Sirupen eine vegane Alternative. Der wohl bekannteste Dicksaft dürfte der ursprünglich aus Mexiko stammende Agavendicksaft sein. Der Saft wird aus dem Blütenschaft der Agaven gewonnen und eingekocht, bis er eine sirupartige Konsistenz annimmt. Agavendicksaft süßt übrigens stärker als Haushaltszucker und besteht hauptsächlich aus Fruchtzucker, weshalb er auch für Diabetiker geeignet ist.

Eingedickte Säfte gibt es auch aus Äpfeln, Birnen oder Trauben. Sie können sie übrigens auch ganz einfach selbst machen! Dazu den frischen Saft aufkochen und unter Rühren so lange köcheln lassen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Für einen Liter Dicksaft benötigen Sie rund sieben bis acht Liter Fruchtsaft.

Sirup: Vom Klassiker bis zum Exoten

Als bekannter veganer Honig erfreut sich der überwiegend in Kanada produzierte Ahornsirup. Er eignet sich besonders gut zum Verfeinern verschiedener Süßspeisen. Frühjahr werden die Stämme der Ahornbäume angebohrt, um die herauslaufende Flüssigkeit in Eimern oder Schläuchen aufzufangen. Ein Ahornbaum muss übrigens mindestens 30 bis 40 Jahre alt sein, um ihn anzapfen zu können. Durch mehrmaliges Kochen verdickt der gewonnene Saft zu einem Sirup. Für die Herstellung eines Liters Sirup sind rund 40 Liter Ahornsaft nötig!

Als leckerer veganer Honig gilt in der veganen Ernährung der Zuckerrübensirup. Der Saft, der aus den gekochten Schnitzen der Zuckerrübe gewonnen wird, dickt ein, indem ihm durch das Kochen das Wasser entzogen wird. Auch Zuckerrübensirup eignet sich hervorragend als Brotaufstrich, bietet aber auch beim Kochen oder Backen eine gute Alternative zu Bienenhonig.

Sirup selbst gemacht

Veganer Honig: Löwenzahnhonig
Löwenzahn statt Bienenhonig: Aus der Pflanze lässt sich ein leckerer Sirup zubereiten.

Eine beliebte vegane Honigalternative ist der Löwenzahnsirup, den wir auch als Löwenzahnhonig kennen. Zuhause können Sie ihn ganz einfach selbst herstellen. Pflücken Sie die Löwenzahnblüten in ihrer Hauptblütezeit ab April. Ohne Grün werden etwa 200 Gramm mit einem Liter Wasser und zwei bis drei aufgeschnittenen Zitronen aufgekocht. Lassen Sie die Flüssigkeit über Nacht ziehen, bevor Sie den Sud durch ein Tuch abseihen. Dieser wird mit einem Kilo Rohzucker aufgekocht und so lange geköchelt, bis die Flüssigkeit sirupartig eindickt. Um den Sirup haltbar zu machen, füllen Sie ihn noch heiß in Einmachgläser. Geschmack und Farbe des Löwenzahnsirups erinnern an aromatischen Waldhonig, weshalb er sich auch als Brotaufstrich bestens eignet.

Ob Fichten-, Tannen- oder Kiefernsirup: Ein leckerer, aromatischer Ersatz für Honig ist Sirup, der aus verschiedenen nichtgiftigen Nadelbaumspitzen hergestellt wird. Selbst zubereiten können Sie ihn, indem Sie etwa vier Hände junge, hellgrüne Nadelbaumspitzen der Seitentriebe mit ein bis zwei aufgeschnittenen Zitronen in rund 750 Millilitern Wasser kochen, bis sie weiß sind. Den Sud durch ein Tuch abseihen und mit einem Kilo Zucker köcheln lassen, bis die Flüssigkeit sirupartig wird. Füllen Sie diese noch heiß in Einmachgläser, um den Sirup haltbar zu machen.

In der veganen Ernährung sind Trockenfrüchte sehr beliebt, um verschiedenen Rezepten eine süße Note zu verleihen. Stellen Sie etwa pflanzliche Milch  zuhause selbst her, mixen Sie mit der Flüssigkeit einfach ein paar getrocknete Datteln klein, um sie zu süßen.

Aus frischen, ungesüßten, entsteinten Datteln können Sie übrigens auch Dattelsirup herstellen. Weil dieser nicht gekocht wird, erinnert er in seiner Konsistenz eher an Dattelmus. Der Vorteil: Er behält sehr viele seiner Vitamine und Mineralstoffe bei, die beim Kochvorgang der industriellen Herstellung häufig verloren gehen. Mixen Sie die Datteln einfach mit Wasser, in welchem sie zunächst eingeweicht wurden, klein, bis eine musartige Konsistenz entsteht. Wasser und Datteln verarbeiten Sie im Verhältnis eins zu eins.

Ob Johannisbrotsirup, Dinkel-, Reis- oder Yacón-Sirup: Neben den hier vorgestellten Sirupen bereichern viele interessante Exoten die vegane Küche. Letzterer wird übrigens aus einer südamerikanischen Knolle, die hauptsächlich in Peru angebaut wird, gewonnen.

Natur pur als veganer Honig? Stevia in der Kritik

Noch nicht lange auf dem Markt, seither aber stetiges Thema in Gesundheitsdebatten ist das als natürliches Süßungsmittel angepriesene Stevia. Die hoch gelobten Vorteile des aus der Stevia-Pflanze gewonnenen Extraktes: Es enthält kaum Kalorien, verursacht keine Karies und wirkt sich nicht auf unseren Blutzuckerspiegel aus. Besser als Zucker, könnte man meinen.

Häufig wird sein Geschmack allerdings als unangenehm lakritzeartig empfunden. Außerdem sollten Sie wissen: Stevia, so wie wir es aus dem Supermarkt kennen, ist ein reines Industrieprodukt und hat mit der Natur wenig gemein. Es ist das durch verschiedene industrielle Verfahren gewonnene Isolat der süßenden Substanzen aus der Stevia-Pflanze.