Milchfreie Ernährung – diese Alternativen gibt es

Nicht viele können sich ein tierprodukt- und tierversuchsfreies Leben vorstellen. Rund 900.000 Veganer in Deutschland praktizieren es dennoch. Mit einem Anteil von etwa 1,1 Prozent stellen sie im Vergleich zu etwa zehn Prozent Vegetariern nur einen kleinen Teil der Gesellschaft dar. Dennoch ist der Trend steigend, wie aktuelle Studien erkennen lassen.

Milchfreie Ernährung - Ersatzprodukte

Veganer in Deutschland seien „ein durchaus interessantes Marktpotenzial“ für die Lebensmittelindustrie, wie das Portal marktforschung.de in Bezug auf eine Anfang des Jahres 2014 durchgeführte Umfrage schreibt. Immer mehr Hersteller spezialisieren sich auf vegane Alternativen für Fleisch- und Milchprodukte: Von der fleischlosen Leberwurst bis zur Milch aus Nüssen finden sich in den Kühlregalen immer mehr vegane Ersatzprodukte. Wie funktioniert milchfreie Ernährung? Käse, Butter, Joghurt, Sahne, Schmand – ohne Milch? Erfahren Sie alles über vegane Alternativprodukte und wie Sie diese ganz einfach selbst herstellen können!

Produktion und Konsum von Milchprodukten in Deutschland: Ein Überblick

Milch sei ein gesunder, unverzichtbarer Bestandteil unserer täglichen Ernährung, so der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbands e.V.

Daher vorweg ein paar Zahlen, von welchen Größenordnungen wir bei der Milchproduktion in Deutschland reden:

  • Rund 4,3 Millionen Rinder werden in Deutschland als Milchkühe gehalten.
  • Mindestens zweimal am Tag wird jede von ihnen gemolken: Für täglich 22 Liter Rohmilch, aus denen nur rund 5 Päckchen Butter oder 2,5 Kilogramm Schnittkäse hergestellt werden können!
  • 47 Prozent der Milch, die an deutsche Molkereien geliefert wird, wird übrigens zu Käse verarbeitet: In Deutschland werden so jährlich rund 2,4 Millionen Tonnen Käse hergestellt.
  • 22,8 Kilogramm verzehrt ein Deutscher davon im Jahr – neben 6 Kilogramm Butter, 17,8 Kilogramm Joghurt und 50 Litern Konsummilch.

Gebildet wird die Milch in den Milchdrüsen der Säugetiere, um ihre Neugeborenen zu ernähren. Wie wir Menschen geben also auch Kühe nur Milch, wenn sie geboren haben. Dass Muttermilch dem Säugling in der ersten Lebensphase überlebenswichtige Nährstoffe liefert, steht außer Frage. Dass aber artfremde Milch für den Menschen in jedem Alter ein unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden, ausgewogenen Ernährung ist, trauen sich zunehmend mehr wissenschaftliche Studien zu widerlegen. Im Gegensatz zum allseits bekannten Glauben, Milch sei gut für die Knochen, erhöhe sie das Risiko für Osteoporose und steigere die Gefahr für Diabetes oder Krebs, so deren These.

Aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen  entscheiden sich immer mehr Menschen für eine milchfreie Ernährung. Etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung leiden an einer Milchzuckerunverträglichkeit, einer sogenannten Laktoseintoleranz. Ihnen fehlt das Enzym Laktase, das den Milchzucker spaltet und ihn verdaubar macht. Auch aus Aspekten des Umwelt- und Tierschutzes meiden zunehmend mehr Menschen tierische Milch und Milchprodukte. Während etwa die Kuhhaltung mit einem sehr großen Wasserverbrauch zu Buche schlägt, so belasten die Kühe selbst durch ihren vergleichsweise hohen Methanausstoß unser Klima.

Übrigens: Noch immer werden Milchkühe in vielen Betrieben übrigens in Anbindehaltung gehalten. Nicht ohne Grund hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im März 2015 den Startschuss für ein neues Forschungsprojekt „OptiKuh“ gegeben, das die Haltung von Milchkühen in der Praxis verbessern soll.

Es ist also ersichtlich, warum viele Menschen auf eine milch- und milchproduktfreie Ernährung setzen. Doch welche Ersatzprodukte finden sich für eine milchfreie Ernährung mit Käse, Butter, Joghurt, Sahne, Schmand und Co.?

Analogkäse, Kunstkäse, Käseimitat: Welcher Käse ist vegan?

Ob veganer Fleischersatz, pflanzliche Milch oder Honigalternativen: Bei keinem anderen veganen Ersatzprodukt gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei Käse. Noch immer gilt es als schwierig, leckere, käseähnliche vegane Alternativen zu finden. Vorsicht sei bei Kunst- bzw. Analogkäse geboten. Dieses billige Käseimitat wird nicht aus Milch, sondern aus Eiweiß, Wasser, Pflanzenöl und Geschmacksverstärkern hergestellt. Für die milchfreie Ernährung ist dieser gefälschte Käse nicht geeignet: Häufig kommen bei der Produktion Lab sowie Milcheiweiß zum Einsatz. Die Bezeichnung „Käse“ darf übrigens nur verwendet werden, wenn dieser zu 100 Prozent aus tierischer Milch hergestellt wurde. Achten Sie also immer genauestens auf die Zutatenliste!

Sicher veganer Käseersatz findet sich in veganen Onlineshops, veganen Supermärkten, Bioläden oder Reformhäusern. Vom Schnittkäse, Streich- und Frischkäse bis hin zum Schmelzkäse: Mittlerweile gibt es nahezu alle Käsesorten als veganes Alternativprodukt.

Leckere Alternativen: Veganen Käseersatz selbst herstellen

Veganen Käseersatz kann man übrigens ganz einfach selbst herstellen. Als Ersatz für Schmelzkäse auf Pizzen oder Aufläufen können Sie zum Beispiel zwei Esslöffel Öl oder vegane Margarine mit einer Packung Sojasahne in einem heißen Topf miteinander verrühren, bis die Masse zähflüssig wird.

Eine etwas aufwendigere, aber sehr leckere vegane Alternative zum Überbacken ist der Hefeschmelz. Für eine leckere Käsesoße verdünnt man ihn mit etwas pflanzlicher Milch oder Wasser. Das Rezept ist eines unserer vielen Kochideen für die vegane Küche. Sie finden es hier ! Für Parmesan bieten übrigens Hefeflocken ein gutes Alternativprodukt.

Natürlich ist auch veganer Mozzarella käuflich zu erwerben. Wie Sie ein leckeres Alternativprodukt selbst herstellen, zeigen wir Ihnen in unserer Rezeptdatenbank ! Einfach eingeweichte Cashewkerne, gelierte Flohsamenschalen, Zitronensaft, Wasser und Gewürze nach Wahl fein pürieren und die zähe Masse in den Kühlschrank stellen. Eine gesunde, vegane Köstlichkeit!

Butter, Sahne, Joghurt, Schmand: Vegane Alternativen für Milchprodukte

Ob im gut sortierten Supermarkt, im veganen Onlinehandel, Bioladen oder Reformhaus: Alternativen zur milchfreien Ernährung für nahezu alle Käsesorten finden sich vielerorts. Noch besser: Viele lassen sich ganz einfach selbst herstellen! Aber wie ersetze ich eigentlich Butter, Schmand, Joghurt und andere Milchprodukte?

Vom Sojajoghurt, -pudding, -sahne bis zum –eis: Einen Großteil entsprechender Ersatzprodukte gibt es mittlerweile auf Sojabasis.

Naschereien ohne Tier: Vegane Desserts

Für die Süßliebhaber unter uns: Veganen Pudding gibt es als Fertigprodukte auf Reis- oder Sojamilchbasis. Alternativ kann das Puddingpulver auch einfach mit Pflanzen- statt mit Kuhmilch angerührt werden. Auch Sahne muss nicht immer aus Tiermilch bestehen: Wie wäre es mit Hafer-, Dinkel-, Soja- oder Reismilchsahne?

Viele Sorten Fruchteis und Sorbets sind übrigens auch vegan: Fragen Sie einfach bei der Eisdiele nach! Einige von ihnen bieten für eine milchfreie Ernährung außerdem Sorten auf Soja- oder Reismilchbasis an, auch Lupineneis gibt es mittlerweile zu kaufen.

Übrigens sind auch die meisten Zartbitterschokoladen vegan. Speziell vegane Schokolade mit Soja- oder Reismilch findet sich aber auch im veganen Onlinehandel, Biomarkt oder Reformhaus. Und veganen Schokoaufstrich können Sie ganz einfach selbst herstellen. Werfen Sie doch einfach einen Blick auf die große Auswahl unserer veganen Rezepte!

Butter kann ganz einfach durch pflanzliches Öl oder Margarine ersetzt werden. Aber Vorsicht: Nicht jede Margarine ist vegan! Molkenerzeugnisse oder tierische Fette sind nicht-vegane Bestandteile einiger Sorten, weshalb Sie immer einen Blick auf die Zutatenliste werfen sollten!

Auch tierproduktfreien Quark gibt es im veganen Handel zu kaufen, lässt sich aber auch selbst herstellen! Lässt man etwa Sojajoghurt in einem Küchentuch mit einem Sieb über einem ausreichend großen Behälter im Kühlschrank ruhen, so wird er seine gesamte Flüssigkeit verlieren und eine quarkige Konsistenz erhalten. Alternativ können auch Natur- und Seidentofu gemixt und je nach Geschmack und Weiterverarbeitung mit Gewürzen oder Süßungsmitteln verfeinert werden.

Wie der vegane Mozzarella lässt sich auch tierproduktfreier Schmand aus Nüssen herstellen. Eingeweichte Cashewkerne oder Mandeln einfach mit Wasser pürieren, bis die Masse cremig wird. Zuletzt mit Gewürzen verfeinern!