Vegane Kosmetik – inzwischen leicht zu bekommen?

Veganismus ist für viele Veganer mehr als ein Ernährungskonzept. Die Einstellung, kein Tierleid zu unterstützen und Tiere nicht für die eigenen Zwecke zu nutzen, zieht sich durch alle Lebensbereiche. Lebensmittel, Kleidung und natürlich auch Kosmetik sollen frei von tierischen Produkten sein.

Vegane Kosmetik frei von tierischen Produkten

Inzwischen ist die vegane Lebensweise zu einem Trend geworden, sodass sich viele Produzenten auf die Bedürfnisse veganer Kunden einstellen. Das macht es leichter, an vegane Kosmetik zu gelangen – zumindest scheinbar. Denn längst ist nicht alles vegan, was so bezeichnet wird. Der Begriff „vegan“ ist nicht geschützt. Zwar geben verschiedene Vegan-Siegel, wie zum Beispiel die „vegane Blume“ oder das „Crueltyfree and vegan“ der Tierschutzorganisation PETA eine gewisse Sicherheit, sind aber noch recht selten in Gebrauch. Trotz der wachsenden Fülle an veganen Produkten bleibt es also schwierig, tatsächlich vegane Kosmetik zu erhalten.

Begriffsklärung: Naturkosmetik, tierversuchsfrei und vegan

Ist tierversuchsfreie Kosmetik vegan? Und ist vegane Kosmetik natürlich? Die verschiedenen Begriffe, die im Kosmetikbereich im Umlauf sind, sind häufig verwirrend für den Verbraucher. Zudem geben sie Raum für Missverständnisse und sind manchmal auch Augenwischerei. Tatsächlich sind die drei oben genannten Begriffe nicht gleichzusetzen.

Naturkosmetik
Diese ist frei von jeglichen, chemischen Stoffen. Das macht sie jedoch nicht vegan, auch wenn die chemischen Stoffe durch natürliche ersetzt werden. Denn diese stammen entweder von lebenden Wirbeltieren oder werden aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen. Da Veganer aber auch die Nutzung von Produkten lebender Tiere ablehnen, beispielsweise Honig, ist Naturkosmetik nicht immer vegan. Naturkosmetik hat dennoch einen weiteren Vorteil: Laut Gesetz müssen natürliche Stoffe nicht in Tierversuchen getestet werden.
Tierversuchsfreie Kosmetik
Anders als der Begriff es vermuten lässt, können einzelne Bestandteile eines Kosmetikprodukts in der Vergangenheit durchaus an Tieren getestet worden sein. Beinhaltet die Kosmetik chemische Inhaltsstoffe, ist sogar garantiert, dass diese irgendwann einmal an Tieren getestet wurden. Für chemische Produkte besteht eine grundsätzliche Testpflicht. Einmal bestanden, muss der chemische Stoff jedoch nicht neu auf die Probe gestellt werden. Das bedeutet: Bekannte Produkte kommen inzwischen ohne Tierversuche aus, wenn sie zu einem früheren Zeitpunkt erfolgreich an Tieren getestet wurden – sie dürfen sich tierversuchsfrei nennen.
Vegane Kosmetik
Vegane Kosmetik ist frei von jeglichen, tierischen Produkten – also auch von lebenden Tieren. In der Folge muss auf synthetische Komponenten zurückgegriffen werden. Diese müssen, laut geltender gesetzlicher Regelungen, an Tieren getestet und für sicher befunden werden, damit sie auf den Markt dürfen. Vegane Kosmetik verwendet dabei jedoch vornehmlich Materialien, die schon in der Vergangenheit an Tieren getestet wurden. Neue Tierversuche finden nicht statt.

Für Menschen, die vegan leben, bleibt demnach eine Gewissensfrage, ob Sie ganz auf Kosmetik verzichten oder einen Kompromiss eingehen. Für vegane Kosmetik wurden in der Regel in der Vergangenheit Tierversuche durchgeführt, Naturkosmetik greift auf Produkte lebender Tiere oder auf pflanzliche Rohstoffe zurück. Es gibt aber auch viele Hersteller von Naturkosmetik, die auf Tierbestandteile verzichten. Sicherheit beim Kauf von veganer Naturkosmetik bietet das Siegel der Veganblume.

Wo Sie vegane Kosmetik kaufen können? In unserem Überblick finden Sie verschiedene Online-Anbieter.

Tierische Bestandteile in Kosmetik

Wer sich neu mit dem Thema Veganismus beschäftigt, wird vielleicht erschrecken, in welchen Produkten sich überall Tierisches befindet. Bei der Ernährung und sogar in der Textilindustrie in den meisten Fällen noch deutlich erkennbar, gestaltet sich die Suche nach veganer Kosmetik schwieriger. Die tierischen Bestandteile verstecken sich in herkömmlichen Produkten hinter Fachbezeichnungen wie Kreatin, Lanolin und Karmin. Nur die wenigsten Verbraucher wissen, das Lanolin Wollwachs ist, welches beim Waschen von Schafwolle gewonnen wird. Der Stoff Kreatin, der die Haare zum Glänzen bringt und sich in Shampoos verbirgt, ist aus Hufen und Hörnern hergestellt. Und Karmin, die rote Farbe von Rouge und Lippenstift, hat seinen Ursprung in toten Schildläusen.

Für die meisten tierischen Produkte gibt es inzwischen aber zufriedenstellende Alternativen. Lanolin wird in Wundsalben und Pflegeprodukten für Babys verwendet. Problemlos kann es aber durch verschiedene, rein pflanzliche Ölmischungen ersetzt werden. Statt Kreatin greifen Hersteller in veganen Shampoos zu Mandelöl und Sojaproteinen. Schwierig wird es nur bei Karmin. Für rote Lippenstifte verwendet vegane Kosmetik inzwischen zwar Rote Beete und Eisenoxid, das Farbergebnis lässt aber derzeit noch zu wünschen übrig. Auf knalliges Rot müssen strenge Veganer daher verzichten.

Probleme bei veganer Kosmetik

Vegane Kosmetik ist nicht weniger oder mehr verträglich als herkömmliche. Ob aber die Herstellung verschiedener, synthetischer Stoffe „grün“, also umweltschonend ist, bleibt offen. Zudem wurden auch für vegane Kosmetik in der Vergangenheit Tierversuche durchgeführt. Der Grad ist für strenge Veganer hier sehr schmal. Was ist erlaubt und was nicht?

Wissenswertes zu veganer Kosmetik

Das Testen von Kosmetik an Tieren ist seit März 2013 verboten. Allerdings: Düfte und Farben gehören zu den chemischen und nicht kosmetischen Inhaltsstoffen. Für diese sind Tierversuche weiterhin erlaubt und sogar vorgeschrieben.

Und noch ein weiteres Problem bildet die Suche nach veganer Kosmetik. Die einzelnen Bestandteile haben oft eine lange Reise hinter sich und eine ebenso lange Händlerkette. Nicht immer ist daher zuverlässig nachzuvollziehen, ob alle Inhaltsstoffe frei von Tierprodukten sind. Biotin zum Beispiel kann sowohl pflanzlich als auch tierisch hergestellt werden. Zwar verpflichten sich Lieferanten aus der Kosmetikindustrie gegenüber dem Kunden, das gewünschte Produkt zu liefern – ob dies jedoch auch durchgeführt wird, bleibt Vertrauenssache. Spätere Tests können in der Regel keinen Unterschied feststellen.