Gemüse ohne Tier: Wie vegane Landwirtschaft funktioniert

Für viele Veganer ist der Einkauf von Obst und Gemüse im Bio- oder Hofladen um die Ecke wöchentliche Routine. Dabei orientieren sie sich an Prüfsiegeln wie Naturland oder Demeter, die für ökologische Landwirtschaft, den Verzicht auf Gentechnik und synthetische Pflanzenschutzmittel stehen. Doch auch in der biologischen Landwirtschaft werden Nutztiere gehalten und tierische Düngemittel verarbeitet.

Auch Biobauern düngen mit Mist - und in der veganen Landwirtschaft?

Die konsequente Alternative für tierfrei-produziertes Gemüse heißt deswegen bio-vegan und stammt aus der veganen Landwirtschaft. Wie aber funktioniert der vegane Ackerbau? Wir zeigen Ihnen, wie Sie ohne schlechtes Gewissen bio-veganes Gemüse und Obst einkaufen – oder gleich selbst anbauen können.

Traditionell mit Mist: Tierisches im Biogemüse

Beim biologischen Anbau von Obst und Gemüse ist durch das EU-Bio-Logo (Euro-Blatt auf grünem Hintergrund) der Verzicht auf chemische Pflanzen- und Düngemittel vorgeschrieben. Biobetriebe verwenden demnach keine Schädlingsbekämpfungsmittel (Fungizide, Herbizide und Insektizide), Kunstdünger sowie gentechnisch verändertes Saatgut. Stattdessen greifen Biolandwirte zu Dünger aus Kuh- oder Pferdemist, Gülle oder Schlachtabfällen. Diese Düngepraxis setzt also die Haltung und Tötung von Nutztieren voraus. Die nicht-veganen Düngemittel verbergen sich hinter harmlos klingenden Bezeichnungen wie Stickstoffdünger, und müssen auf dem Endprodukt nicht deklariert werden.

Achtung „NPK organischer Dünger“: Hinter dieser Sammelbezeichnung versteckt sich jede Menge Tierisches wie Knochenmehl, Blutmehl, Fischmehl, Hornspäne oder Haarmehl.

Ein weiterer Kritikpunkt der veganen Landwirtschaft am Öko-Landbau ist, dass diese Düngestoffe auch aus konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben stammen dürfen. Der Mist von diesen Kühen oder Pferden kann aufgrund der konventionellen Haltungsrichtlinien Rückstände von Antibiotika und/oder multiresistenten Darmkeimen enthalten. Auch für das Endprodukt, beispielsweise die Biogurke oder die Biotomate, besteht deswegen die Gefahr einer Keim- und Antibiotikabelastung.

Da Veganer aus ethischen Gründen die Haltung von Tieren komplett ablehnen stößt diese Düngepraxis der ökologischen Landwirtschaft immer mehr auf Kritik. Da manche nichtstaatlichen Biosiegel wie Demeter ihren Landwirten die eigene Tierhaltung sogar vorschreiben, scheint die ökologische Landwirtschaft das Tierleid nicht beenden zu können. Auch viehlos produzierende Öko-Höfe, die nach Meinung von Experten derzeit rund 25 Prozent aller Bio-Betriebe in Deutschland ausmachen, verwenden nicht immer veganen Dünger für ihre Felder.

Achtung: Viehlos produzierende Landwirte arbeiten zwar häufig mit pflanzlichen Düngemitteln, doch zusätzlich setzen viele von ihnen auch tierischen Dünger ein. Entweder bekommen sie im Austausch für ihr abgemähtes Gras Mist von tierhaltenden Betrieben, oder sie greifen auf Bio-Dünger zurück, der beispielsweise Hornspäne enthalten kann.

Auch ist es ökologischen Betrieben erlaubt, Schlagfallen gegen Nagetiere auf den Feldern einzusetzen. Schlagfallen töten Mäuse oder Ratten auf den Feldern, ähnlich einer Mausefalle im Haus. Dies ist ein Grund für viele Veganer, sich mit der bio-veganen Landwirtschaft auseinander zu setzen.  

Grundsätze der veganen Landwirtschaft

Bio-veganer Garten- und Ackerbau verbindet die Prinzipien der biologischen Landwirtschaft mit der ethisch-veganen Perspektive des Tierwohls. Für bio-vegan produziertes Obst und Gemüse sollen keine Tiere zu Schaden kommen. Noch stärker als beim Bio-Ackerbau entsteht mit der veganen Landwirtschaft ein System, welches in sich geschlossen und ökologisch wie sozial verträglich ist. Im Idealfall kann ein bio-veganer Hof autark produzieren und ist nur wenig auf den Zukauf von veganem Dünger angewiesen. Im Hinblick auf eine positive Klimabilanz vermarkten viele der in Deutschland ansässigen bio-veganen Betriebe ihr Obst und Gemüse selbst.

Der Vegetarierbund Deutschland e. V. (VEBU) stellt auf seiner Homepage eine Umkreissuche zur Verfügung, mittels derer bio-vegane Höfe in der Nähe gefunden werden können.

Der Verkauf auf regionalen Wochenmärkten oder im eigenen Hofladen spart schädliche Klimagase ein und schafft einen direkten Kontakt zwischen Veganern und bio-vegan arbeitenden Landwirten. Die wichtigsten Grundsätze der veganen Landwirtschaft im Vergleich zur Bio-Landwirtschaft sind

  • die Ablehnung von Nutztierhaltung,
  • keine Verwendung von tierischen Düngemitteln (wie Gülle oder Hornmehl),
  • pflanzlicher Bodenaufbau durch Gründüngung,
  • die Vermeidung einer zentralisierten Struktur,
  • der Fokus auf lokalem und regionalem Anbau und Vertrieb sowie
  • ein biologischer Pflanzenschutz aus natürlichen Gegenspielern und Förderung der Artenvielfalt.

Bio-vegan arbeitende Betriebe garantieren also, dass ihre Produkte ohne die Haltung und Ausbeutung von Tieren wachsen und verkauft werden. In Nordamerika und Großbritannien können Verbraucher bio-veganes Obst und Gemüse anhand des Vegan-Organic Logos des Vegan Organic Network erkennen. In Deutschland gibt es derzeit noch keinen offiziellen Zertifizierungsrahmen für bio-vegane Lebensmittel.

Herausforderungen des bio-veganen Ackerns

Der Verzicht auf Tierhaltung und die Vermeidung konventioneller Düngemittel stellt die bio-vegan produzierenden Landwirte auch vor Herausforderungen. Pflanzen leben nicht nur von Luft, Licht und Wasser, sondern benötigen Nährstoffe wie Stickstoff, die dem Boden regelmäßig zugeführt werden müssen. Die Auswahl eines geeigneten, nährstoffhaltigen Standorts spielt bei der veganen Landwirtschaft deswegen eine größere Rolle, da sie auf großflächige, synthetische Dünger verzichtet.

Der bio-vegane Ackerbau nutzt stattdessen zur Aufrechterhaltung der Bodenqualität rein veganen Dünger wie Kompost, Kleegras, Mulch oder pflanzlich gewonnene Schwarzerde (Terra preta).

Außerdem wird auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge der Nutzflächen geachtet. Viele bio-vegan arbeitenden Höfe produzieren auf der Grundlage der Dreifelderwirtschaft. Bei dieser Methode sorgen Leguminosen wie Lupinen oder Erbsen dafür, dass dem Boden der wertvolle Stickstoff aus der Luft zugeführt wird. Die Felder liegen ein Jahr brach, damit sich der Boden regenerieren kann. Die abwechslungsreiche Bewirtschaftung der Flächen sorgt dafür, dass dem Boden nicht einseitig Nährstoffe entzogen werden, erfordert aber auch eine langfristige, vorausschauende Planung des Landwirts.

Auch die biologisch-tierethische Bekämpfung von Schadorganismen ist ein Thema in der veganen Landwirtschaft. Da weder Fallen noch Pestizide zur Abwehr von Schädlingen eingesetzt werden, müssen Flächen für Hecken und Teiche eingeplant werden, die nützliche Insekten und Amphibien anziehen sollen. Sie kümmern sich auf natürliche und vegan-freundliche Weise um die Reduzierung von Schädlingen.

Interessant: Tiere haben durchaus ihren Platz in der veganen Landwirtschaft. Durch
die Förderung von „Minibiotopen“ werden Insekten, Vögel und Amphibien angezogen – es werden aber keine Tiere gehalten oder getötet.

Veganer Dünger aus Ackerbohnen: Tipps für den eigenen Garten

Auch beim veganen Gemüseanbau im heimischen Garten steht das Tierwohl an erster Stelle. Beim Einkauf von Blumen- oder Gartenerde sollte man deswegen auf Erde mit dem Hinweis „NPK organischer Dünger“ verzichten.

Um den Boden mit Nährstoffen anzureichern, kann man auf veganen Dünger aus dem Handel, wie Ackerbohnenschrot, zurückgreifen. Auch das Anlegen eines Komposts ist eine gute Alternative, um nährstoffreiche Erde zu gewinnen.

Um den Boden vor Austrocknung zu schützen und die Bodenstruktur zu verbessern, eignet sich das Mulchen. Beim Mulchen bedeckt man den Boden zwischen den Beeten und um die Pflanzen herum bis zu 30 Zentimeter mit einer Laub- oder Strohschicht. Eine sanfte Methode zur Schneckenabwehr ist es, einen circa einen Meter breiten, sandigen Streifen um das Bett herum anzulegen. Außerdem gibt es einige Kräuter, deren ätherische Öle die Schnecken nicht mögen (zum Beispiel Thymian oder Rosmarin) und die deshalb an den Rand des Beets gepflanzt werden können.