Veganes Leben im Alltag

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts hätte sich wohl niemand erträumt, dass einmal vegane Kochbücher die Bestsellerlisten stürmen oder vegane Restaurants aus dem Boden sprießen. Mittlerweile wird dies aber immer selbstverständlicher und vegane Ersatzprodukte finden sich in fast jedem Supermarkt.
Veganismus im Alltag: Veganerin kauft im Supermarkt frisches Gemüse

Das Interesse der Bevölkerung für die tierfreie Ernährung steigt weiter an: In Deutschland ernähren sich mittlerweile rund 7,8 Millionen Menschen vegetarisch und rund 900.000 vegan – Tendenz steigend. Bedingt durch die zunehmende Neugier auf vegane Ernährung, nimmt die Informationsflut zu und der vegane Alltag wird immer einfacher.

Veganer Alltag: Auf die Ernährung achten

Wer sich für die vegane Lebensform entscheidet oder diese einfach einmal ausprobieren möchte, fängt in der Regel bei der Ernährung an. Fleisch und Fisch, Milch und Eier werden vom Speiseplan gestrichen; tierische Produkte landen fortan nicht mehr im Einkaufswagen. Dabei fällt nicht jedem die Umstellungsphase auf tierfreie Kost leicht. Viele gewohnte Produkte fallen weg und es stellt sich die Frage: Welche Lebensmittel darf ich essen und welche Alternativen gibt es, um mich aus-gewogenen zu ernähren? Daher ist es wichtig, sich umfassend zu informieren – vor allem über Nährstoffe, die der Körper benötigt.

Ein paar Beispiele für wichtige Nährstoffe und woher Veganer diese bekommen:

  • Eisen (Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte oder Sojaprodukte)
  • Vitamin D (Pilze enthalten zwar Vitamin D, allerdings wird der Großteil des Vitamins über den Körper gebildet, nämlich bei Sonneneinstrahlung in Form von UV-Strahlen in der Haut)
  • Zink (Erdnüsse oder Haferflocken)
  • Omega-3-Fettsäuren (Leinsamen, Walnüsse oder Hanfsamen)
  • Vitamin B12 (speziell angereicherte Lebensmittel oder über Nahrungsergänzungsmittel)
  • Kalzium (Grünkohl, Brokkoli oder Kürbiskerne)
  • Eiweiß (Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen)
  • Magnesium (Vollkornprodukte, Sojaprodukte oder Nüsse)
  • Vitamin B2 (Hefeflocken, Hülsenfrüchte oder Avocados)

Wer sich eingehend mit diesen Nährstoffen beschäftigt und sie in ausreichender Menge zu sich nimmt, dürfte mit Mangelerscheinungen keine Probleme haben. Eine regelmäßige Untersuchung der Blutwerte durch den Arzt ist trotzdem ratsam, um mögliche Mängel, beispielsweise Blutarmut in Folge eines Eisenmangels, rechtzeitig festzustellen.

Veganer Umstieg – ergibt das Sinn für mich?

Einige Personengruppen sollten sich den Zeitpunkt für einen Umstieg gut überlegen. Zu diesen zählen vor allem Frauen, die schwanger sind oder gerade stillen. In diesen Fällen empfiehlt sich eine umfassende Beratung, ob eine rein pflanzliche Ernährung in dieser Zeit in Frage kommt. Auf welche Nährstoffe muss vermehrt geachtet werden? Macht der erhöhte Nährstoffbedarf während Schwangerschaft und Stillzeit die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln notwendig? Dabei ist nicht nur auf eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen und Vitaminen zu achten, auch die Qualität der Lebensmittel sollte nun im Vordergrund stehen.

Vermehrt mit dem Thema Veganismus sollten sich auch Eltern beschäftigen, die vorhaben ihren Nachwuchs rein pflanzlich zu ernähren. Über die Frage, ob sich Kinder und Jugendliche vegan ernähren sollten, wird bis heute kontrovers diskutiert. Wie schon bei Erwachsenen gilt aber eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie umfangreiches Wissen als „A“ und „O“. Daneben sollte regel-mäßig ein Arzt aufgesucht werden, der die Blutwerte kontrolliert, um eventuelle Mangelerscheinungen rechtzeitig festzustellen. Da sich manche Ärzte ganz entschieden gegen eine rein pflanzliche Ernährungsform stellen, bietet der Vegetarier-Bund (VEBU) auf seiner Internetseite eine Suchmaschine an, mit der nicht nur Eltern herausfinden können, welche „veggiefreundlichen“ Ärzte es in ihrer Nähe gibt.

Auch bei Sportlern galt lange Zeit, dass nur eine Ernährung mit Fleisch und Milch den Muskelaufbau fördert und eine sportliche Leistung möglich macht. Diese Aussage hat sich mittlerweile dahingehend geändert, dass der Muskelaufbau auch mit veganen Produkten möglich ist, beispielsweise durch das Reisprotein. Auch eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß ist mittlerweile durch angereicherte Sojadrinks, Tofu & Co. gewährleistet. Vegane Sportler müssen, wenn sie Leistung erbringen wollen, genau wie Sportler, die sich mit Mischkost ernähren, auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten.

Vegan unterwegs

War es vor einigen Jahren noch erheblich schwieriger, sich im Alltag vegan zu ernähren, sorgt die Fülle an pflanzlichen Alternativen heute für eine große Auswahl. Vegane Schnitzel, vegane Sahne oder Mandelmilch erhält man nicht mehr nur in ausgewählten Biomärkten, sondern finden sich meist auch im Supermarkt um die Ecke. Für das abendliche Kochen oder die Mahlzeit zwischendurch lässt sich schnell etwas finden. Anders sieht es bei demjenigen aus, der abends ausgehen möchte.

Vegetarische Gerichte finden sich heutzutage fast auf jeder Speisekarte – selbst im Steakhouse. Die Suche nach veganen Gerichten gestaltet sich jedoch schon etwas schwieriger, will man sich nicht nur von Pommes und Salat ernähren. Durch das stetig wachsende Interesse an veganer Lebensweise, ist auch die Nachfrage nach veganen Restaurants gestiegen. Auf der Seite des Vegetarier-Bundes (VEBU) können Sie Adresse oder Namen einer Stadt eingeben und sich anzeigen lassen, welche vegetarischen und veganen Restaurants es dort gibt.

Veganer Alltag: Den Einstieg meistern

Wer sich für Veganismus entscheidet, für den gilt anfangs vor allem eines: informieren, informieren, informieren. Denn obwohl klar ist, dass tierische Lebensmittel wie Milch oder Fleisch vom Speiseplan gestrichen werden, sind tierische Inhaltsstoffe nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Gelatine, die aus gekochten Häuten, Sehnen und Knochen von Tieren gewonnen wird, dürfte den meisten bekannt sein. Aber wussten Sie, dass auch scheinbar vegetarisch-vegane Fertiggerichte oder -suppen tierische Produkte enthalten können?

Dass sich tierische Produkte nicht immer ganz offensichtlich zeigen, wird auch bei der Kleidung deutlich. Während der Ursprung von Pelz, Leder und Wolle allgemein bekannt ist, gibt es auch weniger offensichtlich tierische Materialien. Wussten Sie zum Beispiel, dass es nicht-vegane Klebstoffe gibt? Diese als Haut-, Leder- oder Knochenleime bezeichneten Stoffe werden aus Tieren gewonnen, manchmal auch aus Hausenblasen (Schwimmblase einer Störart). Wer sichergehen möchte, dass für seine Kleidung kein Tier leiden oder sterben musste, kann sich auf der PETA-Webseite über vegane Online-Shops informieren.

Der vegane Kumpel von nebenan

In manchen Städten gibt es sogenannte vegane Buddys, also vegane Kumpels. Diese kundigen Helfer stehen den Neulingen bei ihrem veganen Umstieg zur Seite, beantworten Fragen und geben Tipps. Ob Ernährung, Einkaufen oder Sport – unabhängig davon, welche Probleme zu Beginn auftreten, die veganen Kumpels stehen mit Rat und Tat zur Seite. Ebenso können gemeinsame Kochabende oder ein Einkauf im nächsten Supermarkt auf dem Programm stehen.

Sollte es in Ihrer Stadt keinen Vegan-Buddy vor Ort geben, sind Sie dennoch nicht auf sich gestellt. Zu erreichen sind viele Helfer auch per E-Mail oder Telefon. Ob es einen solchen Helfer in Ihrer Stadt gibt, erfahren Sie hier: VHeft

Der Veganismus revolutioniert also nicht nur die Lebensmittelindustrie, sondern auch andere Bereiche des Lebens. Gerade hier lauern für Neu-Veganer oder Menschen, die diese Lebensform einmal ausprobieren möchten, viele Fettnäpfchen. Damit der Einstieg ins vegane Leben einfacher wird, können sich Interessierte in veganen Foren anmelden. Gleichgesinnte tauschen hier nicht nur Rezepte aus, auch Erfahrungen und Tipps werden weitergegeben.