Unterschied zwischen Vegetarier, Veganer, Frutarier und Flexitarier – wer is(s)t was?

Heutzutage lassen sich die Essgewohnheiten der Leute nicht mehr nur in Allesesser oder Vegetarier unterscheiden. Einfach war gestern! Heute gibt es eine Vielzahl an Ernährungsformen, die mal mehr oder weniger bekannt sind. Veganer und Vegetarier lassen sich da noch recht einfach benennen, doch wie sieht es aus mit einem Frutarier oder Flexitarier. Wer ist und isst eigentlich was?
Veganer, Flexitarier, Frutarier - wer isst was

Eine Fülle an vegetarischen Ernährungsformen

Manch einer isst alles, der andere nur kein Fleisch, der nächste verzehrt nur, was die Natur „freiwillig gibt“. Und dann gibt es noch solche, die da recht flexibel sind. Wer soll bei dieser Fülle an vegetarischen Ernährungsformen noch durchblicken? Da stellt sich die Frage, wer isst eigentlich was?

Die gängigsten vegetarischen Ernährungsformen im Überblick:

ErnährungstypWer isst was nicht?
VegetarierFleisch und Fisch (manchmal auch Milchprodukte bzw. Eier)
VeganerFleisch und Fisch, zusätzlich tierische Produkte wie Milch
PescetarierFleisch
FrutarierAlle tierischen Lebensmittel sowie Pflanzen, die beim Ernten beschädigt werden
FlexitarierFleisch nur selten (Teilzeit-Vegetarier)

Auch bei Vegetariern gibt es Unterschiede

Vegetarier essen keine toten Tiere, heißt die allgemeine Annahme. Allerdings ist es dann doch nicht ganz so einfach. Generell bezeichnet Vegetarismus die Ernährung, bei der hauptsächlich pflanzliche Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen, bereichert durch Produkte, die von lebenden Tieren stammen. Zu diesen zählen Milchprodukte, Eier und auch Honig. Demnach meiden Vegetarier Fleisch und Fisch, in der Regel auch daraus hergestellte Produkte wie Gelatine.

Der Vegetarismus lässt sich jedoch noch weiter unterscheiden, grundsätzlich in vier Typen:

  • Ovo-Lacto-Vegetarier: Ovo steht für Ei und lacto für Milch. Diese Gruppe verzichtet auf Fleisch und Fisch, allerdings nicht auf Eier und Milchprodukte.
  • Ovo-Vegetarier: Auch hier stehen Fisch und Fleisch selbstverständlich nicht auf dem Speiseplan, ebenso Milchprodukte. Allerdings essen sie Eier.
  • Lacto-Vegetarier: Diese Gruppe ist sozusagen das Gegenstück zum Ovo-Vegetarier: Milchprodukte ja, Eier nein.
  • Veganer: Wer Vegetarismus weiterführt, landet beim Veganismus. Diese Ernährungsform ist rein pflanzlich heißt, auch auf Produkte lebender Tiere wird verzichtet. Weder Sahne und Milch noch Eier kommen hier auf den Tisch. Viele Veganer verzichten auch auf Honig. In der Regel weitet sich der Bereich auf das tägliche Leben aus. Es wird ebenso darauf geachtet, dass beispielsweise Kleidung oder Schuhe nicht aus tierischen Produkten wie Leder gefertigt sind.

Selbst als Vegetarier ist es manchmal schwer, alle Nebenprodukte wie Lab oder Gelatine in Lebensmitteln auszuschließen. Manche Käsesorten oder auch Säfte werden mithilfe dieser tierischen Produkte hergestellt beziehungsweise gefiltert. Diese finden sich auch in manchen Backwaren, zum Beispiel in Form von Schmalz.

Hätten Sie’s gewusst?

Vegetarismus ist keine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte des Vegetarismus beginnt schon früher: Bereits in der Antike gab es Vegetarier. Der bekannteste Vegetarier dieser Zeit war der Philosoph und Mathematiker Pythagoras, der im 6. Jahrhundert vor Christus lebte. Er vertrat die Meinung: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück.“ Daher entsagten er und seine Anhänger nicht nur dem Fleischgenuss, sondern waren auch gegen religiöse Tieropfer.

In Europa verschwand der Vegetarismus nach der Antike, besonders im Mittelalter galt Fleisch als begehrtes Nahrungsmittel. Erst in der Zeit der Aufklärung wurde das Thema durch Persönlichkeiten wie den Schriftsteller Voltaire wieder bekannter. Schrittweise etablieren konnte sich die Bewegung ab dem 18. Jahrhundert. Der erste Vegetarier-Verein wurde im 19. Jahrhundert in England gegründet: 1847 entstand die Vegetarian Society, die es bis heute gibt.

Zu erwähnen sind hier noch die Rohköstler. Häufig finden sich Überschneidungen zu Vegetariern und Veganern, zeichnen sich also in der Regel durch eine pflanzenbasierte Ernährung aus. Rohköstler erhitzen ihre Lebensmittel auf maximal 40 Grad, da ansonsten Vitamine und Nährstoffe verloren gehen. Theoretisch dürften Rohköstler auch Fleisch und Fisch essen, sofern diese naturbelassen sind oder nur geringfügig erhitzt werden. Häufig ist es aber Gemüse und Obst, das auf den Rohkost-Tellern landet.

Frutarier – essen, was die Natur hergibt

Der Begriff leitet sich von dem englischen Wort „fruit“ (Frucht) und „vegetarian“ ab. Ähnlich den Veganern, setzt die Gruppe der Frutarier auf eine rein pflanzliche Ernährung. Allerdings ist sie um einiges strenger als der Veganismus. Denn: Im Gegensatz zu Veganern wollen Frutarier nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen, von denen ihre Nahrung stammt, nicht schaden. Oftmals weiten sie ihre Ansichten auch auf andere Bereiche des Lebens aus: Sie verzichten auf Möbel aus Holz oder Kleidung aus Wolle.

Doch was isst ein Frutarier dann? Eigentlich ist alles erlaubt, was der Mutterpflanze nicht schadet. In der Regel isst ein Frutarier nur, was die „Natur freiwillig“ hergibt, beispielsweise Obst, das von selbst vom Baum gefallen ist. Vorrangig stehen daher Beeren, Nüsse und Samen auf dem Speiseplan. Geeignet sind außerdem Gemüsefrüchte wie Tomaten, Avocado, Kürbisse oder auch Hülsenfrüchte sowie Getreide. Für viele Rohköstler sind hingegen beispielsweise Kartoffeln, Rüben oder auch Zwiebeln tabu. Beim Ernten wird die Mutterpflanze samt Wurzelwerk beschädigt.

Der Vorteil dieser Ernährungsform ist der gezielte Verzehr gesunder Lebensmittel, die einen großen Anteil an Vitaminen und Mineralien aufweisen. Allerdings ist es für Frutarier schwer, sich ausgewogen zu ernähren. Die eingeschränkte Auswahl kann das Risiko einer Mangelernährung, beispielsweise an Proteinen, nach sich ziehen. Zudem kann eine zu hohe Fruktoseaufnahme – durch den übermäßigen Verzehr von Obst und auch Gemüse – das Risiko eines erhöhten Cholesterinwertes bergen. Daher ist es wichtig, sich intensiv mit dieser Ernährungsform auseinanderzusetzen und Lebensmittel auszuwählen, die den täglichen Bedarf decken.

Flexitarier – heute Vegetarier, morgen Omnivor

Veganer, Vegetarier, Frutarier – während sich diese Ernährungstypen häufig viele Gedanken über ihr Essen machen und meist aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen handeln, isst ein Flexitarier das, was gerade schmeckt? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Weniger Fleisch zu essen liegt gerade im Trend, viele Ernährungswissenschaftler plädieren für einen gemäßigteren Verzehr. Auch Flexitarier wollen sich dem anschließen, allerdings sind ihnen die vegetarischen Ernährungsformen zu streng. Daher landet Fleisch nur zu besonderen Gelegenheiten oder selten in der Woche auf dem Teller.

Gerne werden Flexitarier daher auch als Teilzeit-Vegetarier bezeichnet. Allerdings ist diese Gruppe bei „richtigen“ Vegetariern und Veganern umstritten. Ihrer Ansicht nach unterscheiden sich diese gar nicht bis kaum von Omnivoren, also Allesessern. Andere sehen diese Ernährungsform als Chance, Massentierhaltung und Tierleid zumindest in Ansätzen zu verringern.

Sonderformen – Vegetarier ja oder nein?

Neben den vier Hauptgruppen des Vegetarismus gibt es noch Sonderformen. Zu diesen zählen beispielsweise die Pescetarier. Sogenannte Fisch-Vegetarier verzichten zwar auf Fleisch, essen aber weiterhin Fisch und andere Meerestiere. Die Zuordnung zum Vegetarismus ist umstritten, viele Vegetarier grenzen sich bewusst von dieser Form ab. Die Begründung, Vegetarier würden sich nur von warmblütigen Tier ernähren – und dazu zählen Fische nicht –, können sie nicht nachvollziehen. Für viele ist der Vegetarismus eine bewusste Entscheidung, ob aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen, die alle Tiere einbezieht.

Sind Fisch-Vegetarier noch allgemein bekannt, sieht es mit anderen Ernährungsformen ganz anders aus. Oder haben Sie schon einmal von Pudding-Vegetariern gehört? Diese Gruppe verzichtet ebenfalls auf Fleisch und Fisch, setzt jedoch vermehrt auf Lebensmittel mit geringer Nährstoffdichte. Dazu gehören beispielsweise Weißmehlerzeugnisse und Zuckerwaren. Häufig sind es Fertigprodukte und Süßigkeiten, die im Einkaufswagen landen – eine bewusste Ernährung steht weniger im Vordergrund.