Zusatzstoffe und ihre E-Nummern in der veganen Ernährung

„Lebensmittelzusatzstoffe sind Stoffe, die in der Regel nicht selbst als Lebensmittel verzehrt, sondern Lebensmitteln aus […] technologischen Gründen, wie etwa zu deren Konservierung, zugesetzt werden“, so die Verordnung des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebensmittelzusatzstoffe.

Lebensmittelzusatzstoffe

Außerdem ist gesetzlich verankert, dass einem Produkt ausschließlich ungefährliche Stoffe zugesetzt werden dürfen, wenn diese für die Herstellung unbedingt notwendig sind. Daneben darf der Einsatz eines Lebensmittelzusatzstoffes den Verbraucher nicht irreführen, sondern muss ihm einen Nutzen bringen. Wann Täuschung der Fall ist, wird übrigens wiederum in einer anderen Verordnung definiert.

Kennzeichnung der Zusatzstoffe

Lebensmittelzusatzstoffe müssen gekennzeichnet werden. Um sie europaweit einheitlich zu deklarieren, werden sie mithilfe der sogenannten E-Nummer landessprachenunabhängig in verschiedene Kategorien eingeteilt. Unterschieden wird zwischen

  • Farbstoffen,
  • Süßungsmitteln
  • und derGruppe der „anderen Zusatzstoffe“, beispielsweise Verdickungsmittel, Säuerungsmittel, Geschmacksverstärker oder Emulgatoren.

Viele der über 300 zugelassenen Zusatzstoffe lassen sich einer Kategorie nicht eindeutig zuordnen, da sie mehr als eine Funktion erfüllen. So lässt sich beispielsweise Cellulose mit der E-Nummer 460 zu den Füllstoffen, Trennmitteln, Verdickungsmitteln und den Stabilisatoren zählen.

Deklaration der Lebensmittelzusatzstoffe

Auf verpackten Lebensmitteln müssen alle zugesetzten Stoffe in der Zutatenliste unter Angabe ihrer Funktionsklasse und ihres Namens oder der jeweiligen E-Nummer genannt werden.

Wie nicht verpackten Lebensmitteln zugesetzte Stoffe deklariert werden müssen, ist im EU-Recht nicht einheitlich verankert. Deutsche Gesetze sehen aber feste Formulierungen vor, zum Beispiel:

  • Schilder in der Nähe der offenen Ware
  • genaue Angaben der Lebensmittelzusatzstoffe in für alle Konsumenten zugänglichen Büchern
  • Fußnoten auf Speisekarten
  • Aushänge in Mensen und Kantinen

Zusatzstoffe, die bei der Produktion beispielsweise als Hilfsmittel oder Trägerstoff zum Einsatz kommen, im Endprodukt aber nicht mehr zu finden sind, müssen übrigens nicht deklariert werden. So werden beispielsweise einige Säfte und Weine während ihrer Herstellung mit tierischer Gelatine geklärt. Auf der Zutatenliste des abgefüllten Getränkes muss diese jedoch nicht genannt werden, weil sie im Endprodukt nicht mehr vorkommt.

Hätten Sie’s gewusst?

Die meisten Zusatzstoffe finden sich übrigens in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie beispielsweise Fertiggerichten. Wer möglichst wenige Lebensmittelzusatzstoffe zu sich nehmen will, der bereitet seine Mahlzeiten im besten Fall aus frischen Zutaten selbst zu. So sieht es auch eine ausgewogene vegane Ernährung vor. Dass als tierproduktfrei erachtete Zusatzstoffe in industriell hergestellten Lebensmitteln nämlich tatsächlich vegan sind, ist nicht garantiert.

Vegan, nicht vegan oder potentiell nicht vegan? Zusatzstoffe tierischer Herkunft

Selbst umfassende, tiefgründige Recherchen geben keinen vertrauenswürdigen Einblick in den Dschungel der Zusatzstoffe. Offizielle, verlässliche Angaben über tierische Zusatzstoffe in Lebensmitteln existieren nicht: Bei potentiell nicht veganen Zusatzstoffen bleibt meist nur die Produktanfrage beim jeweiligen Hersteller. Bis auf wenige, garantiert tierische Zusatzstoffe ist der Großteil in der Regel aber pflanzlichen Ursprungs.

Als gutes Beispiel dienen Fettsäuren: Aus chemischer Sicht sind tierische und pflanzliche Fette gleich aufgebaut. Sie müssen vom Hersteller in der Liste der Zusatzstoffe zwar deklariert, nicht aber näher definiert werden. Unter Umständen werden Fettsäuren bei der Produktion aus tierischen Produkten isoliert, in der Regel kommen aus Kostengründen aber billigere Pflanzenfette wie Soja-, Mais- oder Rapsöl zum Einsatz.

Die E-Nummern-Liste

Folgende Tabelle basiert auf umfangreichen Recherchen und Vergleichen verschiedener Zusammenstellungen potentiell nicht veganer Lebensmittelzusatzstoffe. Das bedeutet: In der Regel sind diese Zusatzstoffe rein pflanzlichen Ursprungs, tierische Bestandteile können aber nicht garantiert ausgeschlossen werden. Rot markierte Zusatzstoffe sind tierischer Herkunft und somit nicht für die vegane Ernährung geeignet.

E-Nummern-Liste zum Download

E-Nummer Bezeichnung Anmerkung
E 101 Riboflavin Vitamin B2, Farbstoff, kann aus Molke extrahiert werden
E 120 Cochenille, Karminsäure Roter Farbstoff aus getrockneten Scharlach-Schildlaus-Weibchen, beispielsweise in roter Marmelade, alkoholischen Getränken oder Lippenstiften
E 153 Pflanzenkohle Rein pflanzlich, teils wird Tierkohle aber missverständlich als Pflanzenkohle verkauft
E 270 Milchsäure Säuerungs- und Konservierungsmittel, beispielsweise in Süßwaren, Sauerkonserven oder Fruchtnektar
E 304 Fettsäureester der Ascorbinsäure: Ascrobylpalmitat und Ascorbylstearat Antioxidationsmittel, Emulgatoren und Stabilisatoren
E 322 Lecithin Antioxidationsmittel, Emulgator, Mehlbehandlungsmittel, Schaumverhüter, Stabilisator, beispielsweise in Margarine, Mayonnaise, Kuchen, Keksen oder Schokoladenerzeugnissen; kann sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein
E 325 Natriumlactat Natriumsalz der Milchsäure, Festigungsmittel, Säureregulator, Schaumverhüter, Schmelzsalz, beispielsweise in Konfitüren, Marmeladen oder Weißbrot
E 326 Kaliumlactat Kaliumsalz der Milchsäure, Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 325
E 327 Calciumlactat Calciumsalz der Milchsäure, Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 325
E 422 Glycerin Grundbaustein aller Fette, Feuchthaltemittel, beispielsweise in Kaugummi, Überzügen oder Schoko- und Kakaoerzeugnissen
E 432 Polyoxyethylensorbitanmonolaurat (Polysorbat 20) Emulgator, Komplexbildner, Stabilisator, aus Sorbit und Fettsäuren synthetisch hergestellte Verbindung, beispielsweise in Backfetten, Speiseeis, Süßspeisen, Soßen, Suppen oder Kaugummi
E 433 Polyoxyethylensorbitanmonooleat (Polysorbat 80) Funktionsklassen, Herstellung und Vorkommen siehe E 432
E 434 Polyoxyethylensorbitanmonopalmitat (Polysorbat 40) Funktionsklassen, Herstellung und Vorkommen siehe E 432
E 435 Polyoxyethylensorbitanmonostearat (Polysorbat 60) Funktionsklassen, Herstellung und Vorkommen siehe E 432
E 436 Polyoxyethylensorbitantristearat (Polysorbat 65) Funktionsklassen, Herstellung und Vorkommen siehe E 432
E 441 Gelatine gewonnen aus tierischem Bindegewebe oder Tierknochen, in der Regel von Schweinen und Rindern
E 442 Ammoniumsalze von Phosphatidsäuren Emulgatoren, Stabilisatoren, ausschließlich für Kakao- und Schokoladenerzeugnisse zugelassen
E 445 Glycerinester aus Wurzelharz Stabilisatoren, gleichmäßige Verteilung von Aromen in Getränken, Verhinderung des Absinkens von Trübstoffen, zugelassen für aromatisierte Getränke ohne oder einem Alkoholgehalt von max. 15 Prozent sowie für die Oberflächenbehandlung von Zitrusfrüchten
E 470a Natrium-, Kalium- und Calciumsalze von Speisefettsäuren Emulgatoren, Schaummittel, Trennmittel, Überzugsmittel, Stabilisatoren, beispielsweise in Süßwaren, Kaugummi, Würfelzucker, Zwieback oder anderen Backwaren
E 470b Magnesiumsalze von Speisefettsäuren Trägerstoffe, Trennmittel, Überzugsmittel, Emulgatoren, Schaummittel, beispielsweise in Backpulver oder Dekorzucker
E 471 Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren Emulgatoren, Mehlbehandlungsmittel, Schaummittel, Schaumverhüter, beispielsweise in Backwaren, Sahneerzeugnissen, Konfitüre, Marmelade oder Schokoladenerzeugnissen
E 472a Essigsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgatoren, Trägerstoffe, Überzugsmittel, Schaummittel, beispielsweise in Kuchen, Keksen, schaumigen Desserts, Suppen oder Soßen
E 472b Milchsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgatoren, Mehlbehandlungsmittel, Stabilisatoren, Trägerstoffe, beispielsweise in Kuchen, Keksen, schaumigen Desserts oder Fertigbackmischungen
E 472c Citronensäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgatoren, Komplexbildner, Trägerstoffe, Schaummittel, Antioxidationsmittel, Überzugsmittel, beispielsweise in Kuchen, Keksen, Brot, Desserts oder Speiseeis
E 472d Weinsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgatoren, Schaumittel, Trägerstoffe, vorrangig in Backwaren
E 472e Mono- und Diacteylweinsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgatoren, Schaummittel, beispielsweise in Backwaren, Margarine oder Desserts
E 472f Gemischte Essig- und Weinsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Funktionsklassen und Vorkommen siehe E 472e
E 473 Zuckerester von Speisefettsäuren Emulgatoren, Mehlbehandlungsmittel, beispielsweise in Süßspeisen, Süßwaren, Getränken oder Frischobst
E 474 Zuckerglyceride Funktionsklassen und Vorkommen siehe E 473
E 475 Polyglycerinester von Speisefettsäuren Emulgatoren, Schaumverhüter, beispielsweise in Süßwaren oder Süßspeisen
E 476 Polyglycerin-Polyricinoleat Emulgator, Stabilisator, ausschließlich für Salatsoßen, Schokoladenerzeugnisse, fettreduzierte Streichfette und Brotaufstriche zugelassen
E 477 Propylenglycolester von Speisefettsäuren Emulgatoren, beispielsweise in Süßwaren, Süßspeisen oder Zuckerwaren
E 479b Thermooxidiertes Sojaöl mit Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren Emulgator, Schaumverhüter, Trennmittel, ausschließlich für Fettemulsionen zum Braten zugelassen
E 481 Natriumstearoyl-2-lactylat Emulgator, Mehlbehandlungsmittel, beispielsweise in Süßspeisen, Süßwaren, Toastbrot, Knabbererzeugnissen auf Getreide- oder Kartoffelbasis oder Likören
E 482 Calciumstearoyl-2-lactylat Funktionsklassen und Vorkommen siehe E 481
E 483 Stearyltartrat Emulgator, Mehlbehandlungsmittel, beispielsweise in Desserts oder Backwaren
E 491 Sorbitanmonostearat Emulgator, beispielsweise in Süßspeisen, Süßwaren, Zuckerwaren oder Backhefe
E 492 Sorbitantristearat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 491
E 493 Sorbitanmonolaurat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 491
E 494 Sorbitanmonooleat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 491
E 495 Sorbitanmonopalmitat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 491
E 542 Knochenphosphat gewonnen aus Tierknochen, beispielsweise als Rieselhilfe in Salz; ist in Deutschland nicht zugelassen
E 570 Fettsäuren Trägerstoffe, Trennmittel, Überzugsmittel, Emulgatoren, beispielsweise in Kaugummi oder (als Überzugsmittel von) Obst
E 585 Eisen-II-lactat Stabilisator, ausschließlich für das Schwarzfärben von grünen Oliven zugelassen
E 913 Lanolin Wollwachs von Schafen

Vegan oder nicht vegan? Die Funktionsklasse der Geschmacksverstärker

Bei keinem anderen Lebensmittelzusatzstoff scheiden sich die Ernährungsgeister so stark wie bei der Funktionsklasse der Geschmacksverstärker. Während einige Quellen etwa annehmen, die Nummern E620 bis E625 könnten tierischen Ursprungs sein, gehen andere Rechercheergebnisse von einer rein tierproduktfreien Herstellung aus. Ähnlich verhält sich die Informationslage bei den übrigen E-Nummern der Gruppe der Geschmacksverstärker.

Je nach Konsequenz der veganen Ernährungs- und Lebensweise muss aber individuell entschieden werden, ob betroffene Lebensmittel verzehrt werden dürfen oder nicht.

E-Nummer Bezeichnung Anmerkung
E 620 Glutaminsäure Geschmacksverstärker, beispielsweise in Suppen, Soßen, Fertiggerichten oder Knabberartikeln
E 621 Mononatriumglutamat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 622 Monokaliumglutamat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 623 Calciumdiglutamat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 624 Monoammoniumglutamat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 625 Magnesiumdiglutamat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 626 Guanylsäure Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 627 Dinatriumguanylat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 628 Dikaliumguanylat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 629 Calciumguanylat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 630 Inosinsäure Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 631 Dinatriuminosinat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 632 Dikaliuminosinat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 633 Calciuminosinat Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 620
E 634 Calcium-5′-ribonucleotid Geschmacksverstärker, beispielsweise in Fertiggerichten oder Getränken
E 635 Dinatrium-5′-ribonucleotid Funktionsklasse und Vorkommen siehe E 634
E 640 Glycin und dessen Natriumsalze Geschmacksverstärker, beispielsweise in Süßstofftabletten, Suppen oder Soßen
E 901 Bienenwachs, weiß und gelb Füllstoff, Trägerstoff, Trennmittel, Überzugsmittel, beispielsweise in Schokolade, Süßwaren, Nüssen, Kaffeebohnen, Nahrungsergänzungsmitteln oder als Überzugsmittel von Äpfeln, Birnen, Ananas, Melonen, Zitrusfrüchten und Pfirsichen
E 904 Schellack Überzugsmittel, Ausscheidungen von Gummischildläusen
E 920 L-Cystein Aminosäure, Mehlbehandlungsmittel, Backtriebmittel, vorrangig in Backwaren
E 966 Lactit Süßungsmittel, beispielsweise in Süßspeisen, Süßwaren, Senf, Soßen oder Kaugummi; wird aus Lactose (Milchzucker) gewonnen
E 1105 Lysozym Konservierungsstoff, ausschließlich für Hart- und Schnittkäse zugelassen
E 1517 Glycerindiacetat (Diacetin) Trägerstoff für Aromen
E 1518 Glycerintriacetat (Triacetin) Trägerstoff, ausschließlich für Aromen und Kaugummis zugelassen

Alle Angaben sind ohne Gewähr, da sie aufgrund der schlechten Quellenlage auf umfangreicher, eigenständiger Recherchearbeit beruhen.